PV-Anlagen für den eigenen Balkon – Was man dabei beachten sollte

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Wer bislang eine eigene kleine Solaranlage auf dem Balkon oder der Terrasse mit Anschluss für die Steckdose betrieben hat, hat unfreiwillig gegen geltende Netzbetreibervorschriften und Normen verstoßen. Vor allem bzgl. der Sicherheit und der netzbetrieblichen Regelungen gab es bislang eine inhaltliche Kontroverse. Während die Nutzung solcher Mini-PV-Anlagen auf der Terasse oder auf dem Balkon in anderen europäischen Staaten wie der Schweiz, Portugal oder Österreich schon länger erlaubt ist, wartete man in Deutschland lange auf eine neue gesetzliche Regelung.

PV-Anlage am Balkon: Neue Regelungen 

Obschon der angebrachte Schutzkontakt-Stecker an den Mini-PV-Anlagen den Eindruck erwecken mag, dass jeder sie mit einfachen Mitteln in Betrieb nehmen könne, ist dies aber – laut der bisher geltenden Norm DIN VDE 0100-551 – noch unzulässig. Die Energiebranche und Normierer passen sich aber der "grünen Bewegung" an und haben eine Neuregelung der technisch Norm auf den Weg gebracht. Der Verband der Elektrotechnik (VDE) und der Deutschen Kommission Elektrotechnik (DKE) haben bereits Ende 2016 die Debatten über eine Neuregelung gestartet, die erlassene Norm DIN VDE V 0100-551-1 aber tritt allerdings voraussichtlich erst im Jahr 2019 in Kraft. Diese soll nun den Verbrauchern die Nutzung von steckbaren Solarmodulen zur privaten Stromerzeugung vereinfachen und den Anschluss an normale Haushaltsstromkreise künftig erlauben. Was es sonst noch über die Hintergründe des laufenden Normungsprozesses zu wissen gibt, erklärt der Koordinator der AG PVplug der Deutschen Gesellschaft für Sonnenenergie e.V. (DGS) Markus Vietzke in einem Interview. Detaillierte Angaben erhalten Sie zudem auf dem Infoportal der DGS, hier wird Ihnen auch ein ausführlicher Pressespiegel zum Thema gegeben.

Bevor Endverbraucher PV-Anlagen auf dem Balkon oder auf der Terrasse wirklich massenhaft nutzen können, müssen vorerst noch weitere Produktnormen und Standardisierungsprozesse eingeleitet werden, damit auch die Sicherheit und der Personenschutz wirklich gänzlich garantiert werden kann. Dies dürfte aber im Zeitalter von Industrie 4.0 kein wirklich großes Problem mehr darstellen. Moderne Plug-in-Solaranlagen gelten dank hochwertiger Wechselrichter ohnehin schon als sehr sicher und können theoretisch schon jetzt ohne Probleme mit einem Schutzkontakt-Stecker genutzt werden. Aber auch der Umgang mit dem "daheim produzierten zusätzlichen Strom" auf Seiten der Netzbetreiber muss abgeklärt und geregelt werden, da auch der überschüssige Strom in die Stromnetze fließen muss. Das heißt, auch die Netzanbieter werden Verbraucher Einspeise-Regelungen bereitstellen, damit der überschüssige und nichtverbrauchte Strom ins öffentliche Stromnetz geleitet werden kann. Das bedeutet also in Summe noch viel Verwaltungsaufwand hinter den Kulissen – aber auch für Verbraucher.

Diese feiern jedoch jetzt schon den Durchbruch für die Mini-PV-Anlagen und die neue Möglichlichkeit zur Energieversorung im eigenen Haushalt. Aber ganz so simpel wie man es sich vorstellt, ist die Inbetriebnahme dieser Mini-PV-Anlagen nicht. Wie soll man also mit diesen "Balkonkraftwerken" umgehen?
Wenn auch Sie von den Vorteilen einer PV-Anlage auf dem eigenen Balkon profitieren wollen ohne sich rechtlich in einer Grauzone zu bewegen, haben wir im Anschluss einige interessante Fakten zur Nutzung dieser Anlagen zusammengestellt.

Fakten & Tipps rund um die Mini-PV-Anlagen

Leistung & Amortisation

Typischerweise besteht eine PV-Anlage für den Balkon oder die Terrasse aus ein bis zwei Solarmodulen. Je nach Größe haben diese eine Leistung von ca. 150 bis 600 Watt. "Mit 600 Watt lassen sich in Süddeutschland bis zu 660 Kilowattstunden pro Jahr erzeugen. Dies entspricht 20 Prozent des Stromverbrauchs des deutschen Durchschnittshaushalts", so Markus Vietzke. Aber auch schon bei 150 Watt-Modellen, die auf Südbalkonen platziert sind, ist eine rund fünf prozentige Einsparung möglich. Zudem sollte sich das Gerät laut einer Beispielrechnung von Vietzke nach fünf Jahren amortisiert haben.

Diese Voraussetzungen gilt es zu prüfen

Eine wichtige Voraussetzung für die Nutzung einer Balkon-PV-Anlage ist die Verwendung eines geeigneten Zählers. Wenn Sie mehrere Module an Steckdosen angeschlossen haben und die eingespeiste Energie nicht verbraucht wird, kann es zum Rückwärtslaufen des Zählers kommen. Dies ist in jedem Fall unzulässig und kann zu Problemen führen. Sie sind auf der rechtlich sicheren Seite, wenn Sie einen Zähler mit Rücklaufsperre verwenden. Zähler ohne Sperre können vom Messstellenbetreiber, meist handelt es sich hierbei um den Netzbetreiber, ausgetauscht werden.

Sicherheitsrisiken

Nun kann man sich die Frage stellen ob es möglicherweise Risiken beim Einspeisen des produzierten Stroms in das öffentliche Stromnetz geben könnte. Einige Netzbetreiber konstatieren, dass dies durchaus der Fall sein könnte, wenn Hunderttausende gleichzeitig Storm in die Netze einspeisen. Allerdings sind diese kleinen Anlagen häufig so dimensioniert, dass kaum Energie ins öffentliche Netz abgegeben wird, sondern der erzeugte Strom direkt im Haushalt verbraucht wird. Zudem gibt es mittlerweile bereits Kombinationssets aus Mini-PV-Anlagen inkl. Strom- bzw. Batteriespeichern, die gewährleisten, dass Reserven aufgebaut werden und nachts oder an dunklen Tagen zur Verwendung kommen.
Hinsichtlich etwaiger Sicherheitsbedenken bezüglich Brandgefahr oder einer Gefahr durch Überspannungsschäden geben Hersteller Entwarnung. Auch Untersuchungen belegen, dass selbst bei der Zufuhr von Energie mit 600 W aus zwei Solarmodulen bei fehlerfreier Installation keine Überlastung zu Stande kommt. Dies bestätigt auch der erfolgreiche Einsatz von über 250.000 steckbaren Solarmodulen in anderen europäischen Ländern.

Reflexionen können für Ärger sorgen

Ein weiterer Punkt den es bei der Installation der Mini-PV-Anlage (vor allem in städtischen Gebieten) zu beachten gibt, ist die Rücksicht auf die direkten Nachbarn. Denn es gab bereits diverse gerichtliche Auseinandersetzungen zwischen Nachbarparteien, wobei sich Nachbarn durch die Sonnenlichtreflexion der Solarmodule erheblich gestört fühlten. Daher lohnt sich sicher auch ein Blick auf die Nachbarn bei der Ausrichtung der PV-Anlage auf dem Balkon. 

Wartung 

Eine regelmäßige Wartung der PV-Anlage auf dem Balkon oder auf der Terrasse ist nicht zwangsläufig erforderlich. Eine turnusgemäße Sichtprüfung der Module und der elektrischen Leitungen ist aber zu empfehlen. Zu gewissen Zeiten sollte man auch eine Reinigung der Solarmodule in Betracht ziehen. Weitere nützliche Informationen zum Thema Reinigung von PV-Anlagen können Sie in unserem Blogpost "Muss man PV-Anlagen reinigen?" nachlesen.

In diesem Experten-Ratgeber erhalten Sie weitere Details über den Aufbau und die Funktionsweise der Mini-Solaranlagen, sowie über die Installation und Wirtschaftlichkeit.

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