Für jede Herausforderung den passenden Schrank
Die Anschluss- und Verteilerschränke bilden die Grundlage der elektrischen Infrastruktur von Ladeanlagen. Sie gewährleisten eine zuverlässige Versorgung aller Ladepunkte. Je nach Aufbau der Anlage kommen dabei unterschiedliche Verteilungsebenen zum Einsatz.
Alle wichtigen Themen auf einen Blick
Anschluss- bzw. Wandlerschränke oder Netzanschlusssäulen übernehmen den Übergang vom Netzanschluss zur internen Installation.
Hauptverteilungen dienen der zentralen Energieverteilung innerhalb der Anlage oder versorgen leistungsstarke Ladepunkte direkt mit Energie und sichern die nachgelagerten Systeme ab.
Unterverteilungen versorgen die einzelnen Ladepunkte und beinhalten die erforderliche Schutz- und Schalttechnik.
Anschlusschränke werden eingesetzt, wenn kein vorhandener Netzanschluss genutzt werden kann und die Ladeinfrastruktur einen eigenen Netzanschluss erhält. Sie bilden die Schnittstelle zwischen dem Stromnetz und der Ladeinfrastruktur und enthalten alle notwendigen Komponenten für Anschluss, Absicherung und Messung.
Im Anschlussschrank erfolgt die Energieerfassung für die Abrechnung durch den Energieversorger oder Netzbetreiber. Dabei ist es wichtig, dass der Aufbau des Schranks den Technischen Anschlussbedingungen (TAB) des jeweiligen Netzbetreibers entspricht.
Zähleranschlusssäulen
Zähleranschlusssäulen kommen bei kleineren Anschlussleistungen zum Einsatz, wenn kein Hausanschlussraum vorhanden ist und die Ladeinfrastruktur im Außenbereich installiert wird. Im Netzgebiet des Bayernwerks können sie beispielsweise bei einer Dauerlast von bis zu 44 A bzw. ca. 30 kW eingesetzt werden.
Sie werden in der Regel als Direktmessung ausgeführt und bilden den Netzanschlusspunkt der Ladeanlage. Innerhalb der Säule befinden sich der Hausanschluss, der Zählerplatz sowie die erforderliche Schutztechnik gemäß den Technischen Anschlussbedingungen (TAB) des jeweiligen Netzbetreibers.
Wandlerschränke
Wandlerschränke kommen bei Anschlussleistungen ab etwa 30 kW zum Einsatz, wenn eine Direktmessung nicht mehr möglich ist. Sie enthalten die erforderlichen Stromwandler, den Zählerplatz sowie die notwendige Schutz- und Verteilungstechnik. Damit bilden sie die Schnittstelle zwischen Netz und Ladeinfrastruktur. In bestimmten Ausführungen kann die Verteilung des Stroms an die Ladepunkte direkt über NH-Leisten innerhalb des Wandlerschranks erfolgen.
Der Aufbau und die Ausstattung richten sich stets nach den Technischen Anschlussbedingungen (TAB) des jeweils zuständigen Netzbetreibers und gewährleisten so einen normgerechten und sicheren Netzanschluss.
Trafostation
Wenn die verfügbare Anschlussleistung im Niederspannungsnetz nicht mehr ausreicht, kann auf eine Trafostation zurückgegriffen werden. Je nach Energiebedarf und Lastprofil des Kunden kann die Trafostation kundeneigen sein oder dem Netzbetreiber gehören.
Diese Zuordnung entscheidet auch darüber, ob die Energieabrechnung auf der Mittelspannungsebene (Messung des EVU vor dem Transformator) oder auf der Niederspannungsebene (Messung nach dem Transformator) erfolgt.
Technisch erfüllt die Trafostation in beiden Fällen die gleiche Funktion: Sie wird an das Mittelspannungsnetz angeschlossen und transformiert die elektrische Energie auf Niederspannung (400 V) zur Versorgung der Kundenanlage.
Wandlergehäuse
Durch die Integration eines Wandlergehäuses mit den entsprechenden Stromwandlern in die Hauptzuleitung eines bestehenden Gebäudes kann das Lastmanagementsystem den Gesamtstromverbrauch erfassen.
Auf Basis dieser Messwerte kann die verfügbare Leistung für die Ladeinfrastruktur dynamisch angepasst werden, sodass die Netzanschlussleistung nicht überschritten und die vorhandene Energie optimal verteilt wird.
Diese Lösung ermöglicht eine dynamische Lastverteilung, ohne dass der Netzanschluss verstärkt werden muss.
NH Verteilerschränke
Hauptverteilungen übernehmen die zentrale Stromverteilung in größeren Anlagen und verteilen den Strom an mehrere Unterverteilungen oder Ladepunkte mit höherer Leistung. Sie bilden die Verbindung zwischen dem Netzanschluss und den einzelnen Verbrauchern und enthalten die erforderlichen Schutzeinrichtungen wie NH-Sicherungsleisten sowie bei Bedarf auch Überspannungsschutz.
Durch den modularen Aufbau lassen sich Hauptverteilungen flexibel an unterschiedliche Leistungsanforderungen und Ausbaugrößen anpassen. Zudem kann bei Bedarf Messtechnik für Lastmanagementsysteme integriert werden.
NH-Verteiler werden häufig im Außenbereich eingesetzt, lassen sich aber auch ohne Probleme im Innenbereich einsetzen.
Energiemessung in Verteilerschränken
In Hauptverteilungen können die Energieflüsse für ein Lastmanagementsystem erfasst werden. Dafür lassen sich in den NH-Leisten Stromwandler integrieren, um die Leistung einzelner Abgänge zu messen. Alternativ können Stromwandler auch um die Kupferverteilerschienen des Verteilerschranks gelegt werden, um beispielsweise den Energiefluss zwischen Ein- und Ausgängen eines NH-Verteilers zu erfassen.
Die Stromwandler werden an einen Energiezähler angeschlossen, der über eine Kommunikationsschnittstelle, wie etwa Modbus, die Messdaten an ein Last- oder Energiemanagementsystem übermittelt. Auf diese Weise wird eine präzise Erfassung und Auswertung der Energieflüsse innerhalb der Ladeinfrastruktur ermöglicht.
Anschlussfertige Verteiler für AC-Ladepunkte
Die anschlussfertigen HENSEL Unterverteiler Mi EV sind speziell für 11 kW-Ladepunkte ausgelegt und ermöglichen eine modulare Erweiterung von 6 bis 36 Ladepunkten.
Sie können optional mit einem FI-Schutzschalter ausgestattet werden, sofern dieser nicht bereits in den Ladepunkten integriert ist.
Die Unterverteiler sind in Varianten für den Innen- und Außenbereich erhältlich und ermöglichen eine einfache, übersichtliche und normgerechte Energieverteilung zu den Ladepunkten – ohne großen Installationsaufwand.
Geräteverteiler
Mit einem Geräteverteiler lassen sich individuelle Lösungen realisieren. Er ermöglicht sowohl die Anbindung eines oder mehrerer Ladepunkte als auch den Anschluss weiterer elektrischer Verbraucher in einem Gebäude.
In den Geräteverteilern können die erforderlichen Schutzorgane wie Leitungsschutzschalter (LS), Fehlerstromschutzschalter (FI) oder Überspannungsschutz integriert werden. Durch den flexiblen Aufbau lassen sich Geräteverteiler optimal an die jeweilige Anlagen- und Gebäudestruktur anpassen.
ANWENDUNG 1
Anschluss einer Ladesäule an einen eigenen Netzanschluss
Wenn nur eine einzelne Ladestation an einem eigenen Netzanschlusspunkt installiert wird, ist in der Regel eine Zähleranschlusssäule ausreichend. In dieser befindet sich der Zähler des Energieversorgungsunternehmens (EVU), über den der Energieverbrauch erfasst wird. Vom Ausgang der Zähleranschlusssäule wird der Strom direkt an die Ladestation weitergeleitet.
Damit stellt die Säule eine kompakte und normgerechte Lösung für Einzelanschlüsse im öffentlichen oder halböffentlichen Bereich dar.
ANWENDUNG 2
Aufbau mehrer Schnellladepunkte
Beim Aufbau mehrerer DC-Ladestationen ist die angeschlossene Leistung in der Regel so hoch, dass zur Messung am Netzanschlusspunkt ein Wandlerschrank erforderlich ist. Dieser erfasst die Energieflüsse am Netzanschlusspunkt und bildet die Schnittstelle zwischen Netzbetreiber und Kundenanlage.
An den Wandlerschrank wird üblicherweise ein NH-Verteilerschrank angeschlossen, der die Energie auf die einzelnen Ladepunkte verteilt. Von dort aus erfolgt die weitere Absicherung und Zuleitung zu den jeweiligen DC-Ladestationen.
ANWENDUNG 3
Ausstattung einer Bestands-Immobilie mit mehreren Ladepunkten
Bei der Nachrüstung einer Bestandsimmobilie mit Ladeinfrastruktur ist es wichtig, den vorhandenen Netzanschluss nicht zu überlasten. Dazu wird zwischen dem Netzanschlusspunkt und dem Anschlussschrank, beispielsweise einem Wandlerschrank, die Zuleitung aufgetrennt und ein Wandlergehäuse in diese Leitung eingebaut. In diesem Gehäuse erfassen Stromwandler die aktuelle Leistung und übermitteln die Messwerte an ein Lastmanagementsystem, das die verfügbare Leistung dynamisch auf die Ladeinfrastruktur verteilt.
Je nach Aufbau der Immobilie kann der Strom z.B. über eine Hauptverteilung mit mehreren Stromschienensträngen weitergeleitet werden, an die über Abgangskästen wiederum die einzelnen Ladepunkte angeschlossen sind. Auf diese Weise lässt sich auch in bestehenden Gebäuden eine sichere und effiziente Ladeinfrastruktur realisieren, ohne den Netzanschluss zu verstärken.
ANWENDUNG 4
Aufbau mehrerer AC-Ladepunkte
In Gebäuden, in denen bereits eine Hauptverteilung vorhanden ist, können anschlussfertige Unterverteiler direkt an diese angebunden werden. Diese Unterverteiler sind in verschiedenen Ausführungen mit unterschiedlicher Anzahl an Abgängen erhältlich und können je nach Anforderung auch mit einem Fehlerstromschutzschalter (FI) ausgestattet werden.
Dadurch lassen sich Ladepunkte einfach und schnell anschließen, ohne dass umfangreiche Anpassungen an der bestehenden Elektroinstallation erforderlich sind. Auf diese Weise kann die vorhandene Infrastruktur effizient genutzt und die Ladeinfrastruktur flexibel erweitert werden.
Ihr Ansprechpartner
Lukas Schmargendorf
Produktspezialist Anschluss- & Verteilerschränke
“Anschluss- und Verteilerkästen sind das Herzstück einer sicheren und skalierbaren Ladeinfrastruktur. Ob Netzanschluss, Haupt- oder Unterverteiler – sie sorgen für eine saubere Struktur, zuverlässige Stromverteilung und flexible Erweiterbarkeit. So lassen sich Ladepunkte effizient planen, installieren und an wachsende Anforderungen anpassen.“
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