Kabeldiebstahl an Ladesäulen: Ladezon im Interview über Ursachen und Gegenmaßnahmen
Kupfer als Hauptmotiv, mit regionalem Schwerpunkt im Osten
Nach Einschätzung von Ladezon ist der ganz überwiegende Teil der Fälle auf den Kupferwert der Kabel zurückzuführen, reiner Vandalismus spielt nur eine untergeordnete Rolle. Regional zeichnet sich dabei ein Muster ab, das selbst Ladezon überrascht. Wie Stefan Radau, Mitgründer und Geschäftsführer von Ladezon, im Gespräch mit energielösung beschreibt: „Das Problem taucht im Moment komischerweise nur von Osten nach Westen auf, und nicht im Süden.“ Die meisten Fälle konzentrieren sich demnach auf den Osten Deutschlands und die Grenzregion zu den Niederlanden, während der Süden bislang nahezu verschont bleibt.
Vom Nischenprodukt zum gefragten Schutzsystem
Entstanden ist GridZon zunächst als Eigenbedarfslösung: Mitgründer Paul Radau betreibt über die Reload Solution GmbH selbst Ladeinfrastruktur und war nach eigenen Angaben vom Kabeldiebstahl betroffen, ohne am Markt eine überzeugende Lösung zu finden. Ladezon entwickelte daher kurzerhand eine eigene Lösung und rüstete damit zunächst die Ladestation der Reload Solution GmbH nach, bevor ein Zufallskontakt mit einem Mitarbeiter eines Stadtwerks den ersten externen Feldtest auslöste. Von dort verbreitete sich das System vor allem über Mundpropaganda weiter.
Wie Paul Radau, ebenfalls Mitgründer und Geschäftsführer von Ladezon, rückblickend feststellt: „Wir haben kaum Marketing gemacht.“ Trotzdem setzte sich GridZon rasch am Markt durch, für Ladezon ein Beleg für hohe Nachfrage und eine echte Marktlücke. Der Stand war nach Angaben von Stefan Radau trotz der abseitigen Lage auf der Power2Drive jeden Tag voller interessierter Besucher: „Das ist eingeschlagen wie eine Bombe.“
Mittlerweile zählt Ladezon nach eigenen Angaben mehrere bekannte, größere Betreiber zu seinen Kunden; erste internationale Projekte laufen ebenfalls an, etwa in Italien. Die Kundenbandbreite reicht dabei von Stadtwerken mit ein bis zwei Schnellladestationen bis zu international tätigen Großbetreibern. GridZon wurde ursprünglich gezielt für Ladesäulen von alpitronic entwickelt, deren Schnelllader auch an den Ladestationen der Reload Solution GmbH im Einsatz waren und die im öffentlichen Raum weit verbreitet sind. Inzwischen bietet Ladezon zusätzlich ein angepasstes Universalsystem für weitere Hersteller an; die dafür bislang fehlende Alarmfunktion soll nach Unternehmensangaben voraussichtlich bis Ende des Jahres nachgerüstet werden.
Gebrauchsmustergeschützter Alarm und geringeres Gewicht als Differenzierung
Kern von GridZon ist eine schnitthemmende Ummantelung mit integrierter, um das Kabel geführter Sabotageleitung: Wird diese durchtrennt, löst das System je nach Ausstattungsvariante einen akustischen Alarm mit Sirene und Blitzlicht sowie einen stillen Alarm per SMS, Anruf oder E-Mail aus, optional lässt sich zusätzlich ein GPS-Tracker verbauen.
Die Alarmtechnik in Verbindung mit dem Kabelschutz ist nach Angaben von Ladezon aktuell über ein Gebrauchsmuster rechtlich geschützt, ein Patent ist bereits beantragt. Mitgründer Paul Radau betont: „Wir haben einen Gebrauchsmusterschutz auf die Alarmtechnik in Verbindung mit dem Kabelschutz, und das bietet aktuell kein weiterer Anbieter an.“
Daneben legt Ladezon Wert auf ein möglichst geringes Gewicht der Ummantelung, damit die Handhabung für Nutzer kaum beeinträchtigt wird, sowie auf eine im Vergleich zu Wettbewerbssystemen spürbar schnellere Montage. Auf das eichrechtlich relevante Messsystem der Ladestation habe das Nachrüsten laut Ladezon keinen Einfluss, da GridZon über eine eigene Stromversorgung verfügt und ohne Eingriffe in die Ladesäule selbst auskommt.
GridZon von Ladezon: Kabelschutz mit Alarmfunktion
GridZon schützt Ladekabel durch eine schnitthemmende Ummantelung mit integrierter Alarmtechnik und lässt sich auch nachträglich installieren, ohne Eingriffe in die eichrechtlich relevante Messtechnik der Ladestation.
Wirksamkeit in der Praxis: Abschreckung durch Zeitverlust
Ladezon betont, dass sich der Schutz mit einfachen Werkzeugen wie einem Cuttermesser kaum durchtrennen lässt. Mit Spezialwerkzeug wie einem Winkelschleifer ist das zwar möglich, dauert aber spürbar länger als bei einem ungeschützten Kabel. Der Zeitverlust wirkt auf Täter abschreckend, verstärkt wird der Effekt durch das Alarmsystem.
In der Praxis zeigt sich die Wirksamkeit laut Ladezon unterschiedlich deutlich: An einem zuvor wiederholt betroffenen Standort in Hannover blieb es nach der Installation ruhig, in Düsseldorf schreckte ein ausgelöster Alarm die Täter unmittelbar ab. Bei einem vollständig ausgerüsteten Ladepark in Italien wurde trotz eines Diebstahlversuchs nur ein Teil der Kabel beschädigt, der Rest blieb nach Rückmeldung des Betreibers verschont. In Leipzig wiederum überwand ein Täter mit einem Winkelschleifer den Schutz dennoch, ein Beispiel dafür, dass entschlossene Täter mit schwerem Gerät im Einzelfall trotzdem durchkommen können. Unter den bislang ausgestatteten Kabeln blieb es nach Angaben von Ladezon jedoch insgesamt bei einem kleinen Bruchteil an tatsächlich durchtrennten Kabeln.
Fazit: Schutz zahlt sich auch ohne akuten Vorfall aus
Für Betreiber, die noch keine Schutzmaßnahmen umgesetzt haben, empfiehlt Ladezon, nicht erst auf einen konkreten Vorfall zu warten. Wie Mitgründer Paul Radau es einordnet: „Das ist eher zu betrachten wie eine Versicherung.“ Die Folgekosten eines Diebstahls, allen voran durch den Ausfall der betroffenen Ladestation während Ersatzteilbeschaffung und eichrechtlicher Neuabnahme des Kabels, liegen nach Erfahrung von Ladezon meist deutlich über den Kosten einer vorsorglichen Schutzmaßnahme.
Wie sich das Thema Kabeldiebstahl weiterentwickelt, hängt aus Sicht von Ladezon vor allem vom Kupferpreis ab, steigt er weiter, erwartet das Unternehmen auch eine Ausbreitung in bislang kaum betroffene Regionen wie den Süden. Eine mögliche Verschärfung der Gesetzeslage bei Diebstählen an kritischer Infrastruktur könnte gegensteuern. Bis eine solche Regelung tatsächlich greift, dürfte aber noch einige Zeit vergehen.
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Laura Amann
